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RADOST im Gespräch mit Küstenplanern in den USA

Ein fester Bestandteil des RADOST-Projektes ist neben der Erarbeitung von Anpassungsstrategien mit den Menschen vor Ort auch der Austausch positiver Erfahrungen bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel in geographisch vergleichbaren Regionen in Europa und weltweit. In den USA bildete die Beteiligung am “Social Coast Forum” der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) den Auftakt einer Serie von Aktivitäten, mit denen RADOST durch seinen Koordinator, das Ecologic Institut, den Austausch mit Regionen an der Ostküste und in der Chesapeake Bay intensiviert.

Anlässlich des ersten Social Coast Forums trafen sich vom 14. - 16. Februar 2012 mehr als 200 Küstenplaner, Sozialwissenschaftler und Vertreter der Privatwirtschaft in Charleston, South Carolina. Zu der Veranstaltung, die von nun an alle zwei Jahre stattfinden soll, hatte das Zentrum für Küstenaufgaben der nationalen Regierungsorganisation NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) eingeladen.

Diese Plattform nutzte RADOST um mit Teilnehmern des Forums in einen Austausch zu kulturell dominierten Einstellungen und Wahrnehmungen in Küstenregionen in den USA und in der Ostseeregion zu kommen. Im Workshop „Ask the Audience: Climate Change and Cross-Cultural Coastal Zone Management: Knowledge for Action in the U.S. and Europe” wurden mittels einer internetbasierten Software Fragen zu Küstenmentalitäten und deren Einfluss auf die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass kulturelle Prägungen das Handeln von Akteuren bestimmen und ihre Haltung in konkreten Situationen beeinflussen. Um Anpassungsmaßnahmen erfolgreich zu planen und durchzuführen, sind diese Faktoren daher notwendigerweise mit in den Blick zu nehmen.

Vertreten war auf dem Social Coast Forum auch die Vizebürgermeisterin von Broward County (Florida), Kristin Jacobs, die in ihrer Eröffnungsansprache die Bedeutung von konkreten Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel im überflutungsgefährdeten Florida betonte. Obwohl der Bundesstaat Florida im Allgemeinen als eine Hochburg der „Klimawandelskeptiker“ gilt, hat es Broward County während der langjährigen Amtszeit von Kristin Jacobs als Mitglied der Kreisregierung geschafft, sich auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene Gehör zu verschaffen. Erst unlängst wurde ein Aktionsplan zum Klimawandel in Broward County verabschiedet, einem Gemeindeverbund, der zum Grossraum Miami gehört und mit 1,7 Millionen Einwohnern an 18. Stelle in der Bevölkerungszahl von mehr als 3.000 Countys und vergleichbaren Gebietseinheiten in den USA steht.


RADOST-Projektleiterin Grit Martinez auf dem Workshop „Ask the Audience: Climate Change and Cross-Cultural Coastal Zone Management: Knowledge for Action in the U.S. and Europe"
Foto: Hansje Gold-Krueck, NOAA Coastal Services Center

RADOST wird den Austausch mit Gemeinden, regionalen Küstenplanern und Vertretern der Zivilgesellschaft in den USA kontinuierlich vertiefen. Neben weiteren Workshops in Kooperation mit den regionalen Planungsverbänden in den Bundesstaaten Maryland und North Carolina ist Anfang März ein Treffen in Washington, D.C. mit Vertretern der kürzlich ins Leben gerufenen „Anpassungsgruppe“ bei der NOAA geplant. Auf dem Programm stehen außerdem weiterführende Gespräche mit lokalen Entscheidungsträgern wie beispielsweise mit Vizebürgermeisterin Kristin Jacobs sowie Umfragen unter Vertretern von Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Im Zentrum dieses Dialogs stehen die Fragen, welche Herausforderungen die Akteure in den USA bewältigen müssen, welche Anpassungsansätze es bereits gibt und wie Regionen in den USA und im Ostseeraum voneinander lernen können. Die internationalen RADOST-Aktivitäten werden in Zusammenarbeit mit der zur Duke University gehörenden Nicholas School of the Environment and Earth Sciences in North Carolina durchgeführt. Dazu trat die RADOST-Projektleiterin Grit Martinez (Ecologic Institut) im Februar 2012 einen ersten Gastaufenthalt an der Meeresforschungsstätte der Duke-Universität in Beaufort an. Sie wurde dort zum Adjunct Associate Professor ernannt.


Teilnehmer bei der Umfrage via Mobiltelefon
Foto: Hansje Gold-Krueck, NOAA Coastal Services Center