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Anwendungsprojekt 12: Zukunftsstrategien für die Aquakultur – Fokusgebiet Kieler Bucht

In diesem Anwendungsprojekt sollen Potentiale und konkrete Maßnahmen für den Um- und Ausbau der fischwirtschaftlichen Nutzung vor dem Hintergrund des Klimawandels herausgarbeitet werden. Die Strategie einer zukunftsweisenden Aquakultur hat in diesem Zusammenhang eine Schlüsselfunktion für die Bewahrung der Wasserqualität und Artenvielfalt, der Schonung der Meeresumwelt und der nachhaltigen integrierten Nutzung natürlich gegebener Ressourcen.

Beitrag des Anwendungsprojekts zur Anpassung an den Klimawandel
Der Klimawandel und seine Folgeerscheinungen – Anstieg des Meeresspiegels, geänderte Niederschlagsverhältnisse, Anstieg der Temperaturen, Veränderung der Sonneneinstrahlung und der regionalen Windverhältnisse - lassen für die Kieler Förde wegen ihrer bathymetrischen und hydrographischen Besonderheiten besondere ökologische Folgen erwarten.

Neben den unbestreitbar hohen Risiken für das ökologische Gesamtgefüge eröffnet ein Wandel der klimatischen Bedingungen durchaus auch Chancen, die rechtzeitig erkannt und praxistauglich entwickelt werden sollen. Besonders im Bereich der Marikultur können mögliche Vorteile des Klimawandels ganz gezielt zur Erweiterung des Artenspektrums und zur Produktivitätssteigerung der kultivierten Arten genutzt werden. Dabei können neben Fischarten vor allem auch marine Evertebraten und Pflanzen aus extraktiver Marikultur in einem weitaus größeren Maße als heute genutzt und gewinnbringend vermarktet werden.

Beitrag des Anwendungsprojekts zur Nachhaltigkeit in der Region
Der Klimawandel zwingt zu Anpassungen in der Fischerei, der Aquakultur und der marinen Biotechnologie, z.B. durch veränderte Zielarten und damit einhergehenden technischen Anpassungen der entsprechenden Anlagen. Die Aquakultur bietet darüber hinaus auch beispielhaft die Möglichkeit, den Klimawandel nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance zu begreifen und zu nutzen. Neue Arten (Fische wie Wolfsbarsch und Meerbrassen, Mollusken wie Abalone und Teppichmuschel, Garnelen, diverse Algenarten und viele andere) können bei geänderten Klimabedingungen kultiviert werden und damit neue ökonomische Potentiale darstellen. Vor allem extraktive Aquakulturtechniken werden eine zunehmende Bedeutung haben, da sie ohne zusätzliche Futtermittel und damit ohne umweltbelastenden Nährstoffeintrag auskommen.

Kurz- bis mittelfristig liegt ein großes wirtschaftliches Potential im Nahrungsmittelbereich (Speisemuscheln), in den Bereichen Kosmetika, Wellness und Health Food, mittel- und langfristig in der Abwasserreinigung, in Antifouling- Anstrichen und in der pharmazeutischen Industrie. Kleinere, aber regional wichtige Potentiale sind in der Verwendung als Algen-Nahrungsmittel, als Biofilter, in integrierten Kreislauf- Aquakulturanlagen und in Renaturierungsmaßnahmen identifiziert worden.

Vorgesehene Arbeitsschritte
Die Arbeiten für das Anwendungsprojekt „Zukunftsstrategien für die Aquakultur – Fokusgebiet Kieler Bucht“ werden in zwei Arbeitspaketen ausgeführt:

Das erste Arbeitspaket umfasst die Vorarbeiten, die für eine konkrete Umsetzungsplanung unerlässlich sind: Die Übertragung und Übersetzung der Klimaszenarien auf die für fischwirtschaftliche Fragestellungen relevanten Themen, also Temperatur, Strömungsmuster, Wasserschichtungen, Salinitäten, Sauerstoffversorgung etc.).

Vor diesem Hintergrund müssen die Organismenarten betrachtet und evaluiert werden, die als Aquakulturkandidaten gelten können. Neben Fischen sind dies auch Evertebraten und Pflanzen.

Für den Bereich der traditionellen Fischerei und der integrierten multitrophischen Aquakultur werden Abschätzungen über die zu erwartenden Nahrungsbeziehungen durchgeführt.

Diese drei Themfelder werden in Form eines „Zukunftskompass Fischerei und Aquakultur“ zusammengefasst publiziert.

Das zweite Arbeitspaket befasst sich mit konkreten Planungen für eine multitrophische Aquakulturanlage in der Kieler Förde. Aufbauend auf den Erfahrungen von Kieler Lachsforelle und CRM, die beide vor dem Gemeinschaftskraftwerk Kiel bereits Ansätze für die integrierte Aquakultur gestartet haben, soll mit Unterstützung der Stadtwerke Kiel eine zukunftsfähige Aquakultureinrichtung im Detail geplant werden, die über folgende Charakteristika verfügt:

  • Produzentenkomponente (Algen, Aufnahme gelöster Nährstoffe, CO2- Aufnahme, Biomasse, Substrat für Biogasherstellung, Grundstoff für Extrakte, Nahrungsmittel)
  • Destruentenkomponente (Muscheln, Aufnahme partikulärer Nährstoffe und organischer Substanz, Nahrungsmittel, Grundstoff für Extrakte, Futtermittel)
  • ggf. Konsumentenkomponente (Fische, als Nahrungsmittel)
Kontakt
Institution: 
CRM, Coastal Research & Management
Straße, Nr.: 
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PLZ, Ort: 
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Ansprechpartner: 
Dr. Peter Krost
Weitere Beteiligte: 
Dr. Monika Kock