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Küstenschutz

Das Fokusthema „Küstenschutz“ erarbeitet zukunftssichere und langfristige Strategien für den Küstenschutz an der deutschen Ostseeküste. Zielkonflikte mit anderen Sektoren wie Tourismus und Naturschutz werden dabei aufgegriffen. Sensitivitätsanalysen identifizieren prioritäre Küstenabschnitte und Küstenschutz­maßnahmen. Durch Monitoring werden die schleichenden Veränderungen von Wasserständen, Seegang und Strömungen erfasst.

Die Ostseeküstenabschnitte von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein unterliegen auf ca. 70 % ihrer Länge dauerhaft der Erosion von Sedimenten und damit direkt verbunden dem Rückgang der Küste. Der Schutz der Küste, d.h. der Schutz des Hinterlands vor Überflutung sowie die Stabilisierung der Uferlinie, erfordert bereits derzeit jährlich erhebliche Investitionsmittel. Vor dem Hintergrund des prognostizierten Klimawandels mit steigenden Wasserständen ist es zu erwartenden, dass die Aufwendungen für den Küstenschutz bei gleich bleibender Sicherheit der geschützten Bereiche weiter steigen werden.

Mit den steigenden Wasserständen und veränderten hydrodynamischen Belastungen der Küste stellt sich zudem die Frage der mittel- und langfristigen Anwendbarkeit und Wirksamkeit derzeit gebräuchlicher Küstenschutzbauwerke und -konzeptionen.

Wesentliches Ziel ist es, vor dem Hintergrund veränderter klimatischer Bedingungen zukunftssichere und langfristige Strategien für den Küstenschutz an der deutschen Ostseeküste unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation des Sturmflut- und Küstenschutzes zu erarbeiten und auf der Grundlage von Sensitivitätsanalysen eine frühzeitige Priorisierung einzelner Küstenabschnitte oder Küstenschutzmaßnahmen vorzunehmen sowie Handlungszeiträume und -spielräume zu bewerten.

Daneben ist es insbesondere auch wegen der langen Planungszeiträume bereits heute erforderlich, die Entwicklung der Sicherheit der bestehenden Küstenschutzwerke unter geänderten hydrodynamischen Belastungen zu analysieren.

Anknüpfungspunkte innerhalb und außerhalb des Vorhabens ergeben sich insbesondere für Fragestellungen der touristischen Nutzung von Stränden sowie für Fragestellungen des Naturschutzes.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeiten liegt in den Fokusgebieten. Hier werden aktuelle Fragestellungen des Küstenschutzes aufgegriffen und vor dem Hintergrund des Wandels der klimatischen Bedingungen analysiert. Im Einzelnen sind dies:

Lübecker Bucht:

  • Auswirkungen der veränderten hydrodynamischen Bedingungen und des zu erwartenden verstärkten Küstenrückgangs auf den Küstenschutz und Entwicklung von Anpassungsstrategien für die Küstensicherung im Bereich der bestehenden Wohnbebauung auf Steilufern (Sierksdorf, Dahme) und der landwärts festgelegten Strandbreite in Bädergemeinden (Großenbrode, Dahme, Kellenhusen, Grömitz, Sierksdorf bis Niendorf).
  • Auswirkungen auf bzw. Anpassungsstrategien für den Küstenhochwasserschutz durch vermehrte Sturmaktivitäten vor allem im Bereich der mit einem eingeschränkten Hochwasserschutz versehenen Ortslagen (Neustadt-Pelzerhaken, Sierksdorf bis Niendorf, Travemünde).
  • Berücksichtigung von Interessen der Hafenwirtschaft bei der Anpassung an klimabedingten Folgen, z.B. längere Verweilzeiten Sturmflutwasserstände, vermehrte Hafenverschlickung durch veränderte Sedimentströme, Erhöhung von Binnen- und Küstenhochwasserstand (Travemünde: größter Fährhafen Europas, Lübecker Hafen: größter Ostseehafen Deutschlands).

Kieler Bucht / Eckernförde:

  • Auswirkungen der durch den Klimawandel veränderten Wasserstände und anderen hydrodynamischen Bedingungen auf den Küsten- und Hochwasserschutz in der Eckernförder Bucht (Ortslage Eckernförde) und mögliche Wechselwirkungen mit dem Tourismus. Beispielsweise liegen in der Eckernförder Bucht mehrere Campingplätze in überflutungsgefährdeten Gebieten.
  • Entwicklung der Qualität des Badestrandes Eckernförde unter dem Druck eines zu erwartenden verstärkten Küstenrückgangs.
  • Durchbruchgefahr Windebyer Noor.

Rostock:

  • Auswirkungen der durch den Klimawandel veränderten hydrodynamischen und sedimentdynamischen Bedingungen auf den Küsten- und Hochwasserschutz in den Ortslagen der Hansestadt Rostock (Warnemünde, Markgrafenheide, Stadt Rostock, etc.) mit den zugehörigen Küstenschutzkonzeptionen und Bauwerken.
  • Küsten- und Hochwasserschutzsystem Markgrafenheide als Kombination von Vollschutzdüne, Hochwasserschutzdeich und Hochwasserschutzwänden.
  • Städtischer Hochwasserschutz in der Hansestadt Rostock und Warnemünde mit Dünen, Deichen und Ufermauern.

Fischland, Darß, Zingst:

  • Zukünftige Wirksamkeit des Küstenschutzsystems Wellenbrecher Wustrow - Ahrenshoop.
  • Auswirkungen des veränderten Klimas und der veränderten Wasserstandsbedingungen auf die Durchbruchsproblematik von der Ostsee in den Bodden am Beispiel der Engstelle südlich der Ortslage Wustrow.
  • Zukünftige morphologische Entwicklung und Küstenschutzkonzeption für eine hocherosive Brandungsküste am Beispiel Dierhagen: Ist die Erosionssicherung mit dem System Vorspülung, Buhnen, Dünenverstärkung und Deich zukunftssicher?
  • Ermittlung möglicher klimabedingter Veränderungen im Lee-Erosionsbereich von existierenden und geplanten Sportboothäfen im Bereich Prerow-Zingst.

Das Fokusnetzwerk Küstenschutz kann auf bestehenden Strukturen aufbauen. Unmittelbare Ansprech- und Kooperationspartner sind die für den Küstenschutz verantwortlichen Behörden. Die Ergebnisse der Untersuchungen und die resultierenden Empfehlungen sowie deren Konsequenzen werden in thematischen Arbeitsausschüssen zum Küstenschutz sowie in dem vom Bund sowie von den Küstenländern getragenen Kuratorium für Forschung im Küsteningenieurwesen (KFKI) diskutiert.

Beteiligte Partner: 
Universität Rostock, Fachgebiet Küstenwasserbau (URCE); Technische Universität Hamburg-Harburg Staatliches Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM); Landesbetrieb Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in Schleswig-Holstein (LKN)
Kontakt
Institution: 
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Wasserbau
Straße, Nr.: 
Denickestr. 22
PLZ, Ort: 
21073 Hamburg
Web: 
http://www.tu-harburg.de/wb
Ansprechpartner: 
Kontakt: 
Ansprechpartner: 
Prof. Dr.-Ing. Peter Fröhle