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Herausforderungen bei der Anpassung an den Klimawandel: Eine Diskussion mit Anwendern in den USA

Ort: 
National Socio-Environmental Synthesis Center (SESYNC), Annapolis, MD, USA
Datum: 
7. März 2012

Das RADOST-Projekt war Mitveranstalter eines Workshops, der am 7. März 2012 in Annapolis, Maryland stattfand. Dort wurde untersucht, wie die öffentliche Wahrnehmung des Klimawandels die Fähigkeit der lokalen Verwaltungen beeinflussen kann, Anpassung zu gestalten. Die dabei vorgestellten Beispiele stammten aus den Küstenregionen des US-Bundesstaats Maryland und des deutschen Bundeslandes Schleswig-Holstein.

Eine gemeinsame Besonderheit von Maryland und Schleswig-Holstein besteht darin, dass beide über Küsten sowohl zum offenen Meer als auch zu einem Binnenmeer verfügen. Vergleiche wie auch Kooperationen zwischen diesen beiden Gebietseinheiten erscheinen dadurch naheliegend. Der interaktive Workshop am 7. März diente dazu, Forschungs- und Anwendungsprojekte zur Anpassung und Gefahrenvorsorge in der Küstenzone in Maryland und an den Küsten von Ost- und Nordsee in Deutschland vorzustellen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen, gute Praxis zu ermitteln sowie Ansätze miteinander zu teilen, die sich auf andere Küstenregionen übertragen lassen. Zu den 21 Teilnehmern des Workshops zählten Vertreter von Universitäten sowie aus den kommunalen, regionalen und bundesstaatlichen Verwaltungsebenen Marylands und Deutschlands. Zu der Veranstaltung luden das Maryland Department of Natural Resources und das Center for Environmental Science (UMCES) der University of Maryland in das National Socio-Environmental Synthesis Center (SESYNC) in Annapolis ein.

Der Workshop war Teil eines Austausch- und Forschungsprogramms im Rahmen von RADOST. Zusammen mit der Nicholas School of the Environment der Duke University untersucht das Ecologic Institut die kulturelle Prägung von Anpassungskonzepten in den internationalen RADOST-Partnerregionen Chesapeake Bay sowie Pamlico Sound (North Carolina).

Der Workshop „Obstacles to Adapting to Climate Change” umfasste die folgenden Programmpunkte:

  • Einleitend ging Dr. William Dennison (UMCES) auf die Rollen ein, welche UMCES und SESYNC bei der Klimawandelforschung und der diesbezüglichen Kommunikation gespielt haben.
  • Dr. Michael Orbach und Dr. Grit Martinez von der Nicholas School of the Environment der Duke University stellten das von ihnen koordinierte Forschungsprojekt vor, das untersucht, wie Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung des Klimawandels die Fähigkeit lokaler Verwaltungen zur Gestaltung von Anpassungsprozessen in Maryland und North Carolina sowie in Deutschland beeinflussen. Des Weiteren wurde mittels eines internetbasierten Umfragesystems, das die sofortige Darstellung von Ergebnissen ermöglicht, eine Befragung durchgeführt, um zu ermitteln, wie der Klimawandel vor Ort wahrgenommen wird und welche Rolle die kommunale und regionale Verwaltung aus Sicht der Beteiligten für die Planung und Anpassung an den Klimawandel spielt.
  • Dr. Ming Li von UMCES beschrieb seine Forschung für das Chesapeake-Überflutungsvorhersagesystem und die Möglichkeiten für die kommunale Verwaltung, dieses System zur Entscheidungsunterstützung zu nutzen.
  • Debbie Herr Cornwell, beigeordnete Direktorin für Planung im Department of Planning and Codes von Caroline County, stellte aktuelle Fortentwicklungen der Verordnungen zum Regenwasser- und Hochwassermanagement vor, die es ermöglichten, die Anpassungsfähigkeit der Region gegenüber zukünftig zu erwartenden Hochwasserständen zu steigern. Sie ging dabei auf die intensive Kampagne zur Öffentlichkeitsarbeit ein, die vor der Neufassung der Verordnungen durchgeführt wurde, um die Bevölkerung über die bestehenden Risiken zu informieren und Unterstützung für die Neuregelungen zu gewinnen.
  • Dr. Michael Paolisso von der University of Maryland sprach über seine Forschungen zu Umweltgerechtigkeitsaspekten des Klimawandels. Innerhalb dieser Forschungsarbeiten untersuchte er, wie der Klimawandel in ländlichen Gemeinden an der Chesapeake Bay wahrgenommen wird und auf inwieweit das soziale Gefüge dieser Gemeinden sich als hinderlich erweisen kann, auf für sie relevante politische Entscheidungen in adäquater Weise Einfluss zu nehmen.
  • Dr. Jacobus Hofstede vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume nahm an dem Workshop über eine Videoübertragung teil. Er erläuterte die Anpassungsfragen, vor denen die Ost- und Nordseeküste in Deutschland stehen, und stellte entsprechende Lösungen vor, die in unterschiedlichen Küstenbereichen angewendet oder diskutiert werden.
Bildbeschreibung
Grit Martinez leitet eine Diskussion
zu Klimaanpassung in der Ostseeregion.
Photo: Jeffrey Allenby, Maryland
Department of Natural Resources
  • Dr. Martinez sprach über das von ihr geleitete RADOST-Projekt und erläuterte, wie die jeweilige öffentliche Wahrnehmung des Klimawandels Anpassungsaktivitäten im Ostseeraum beeinflusst.
  • Jeffrey Allenby vom Department of Natural Resources sowie UMCES stellte die von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) geförderte Initiative “CoastSmart Communities” vor, die zum Ziel hat, Verwaltungen auf Gemeinde- und Kreisebene mit der erforderlichen fachlichen und finanziellen Unterstützung für die Vorsorge gegen Küstengefahren auszustatten. Er ging auf in der Entwicklung befindliche Instrumente ein, die der Information der Öffentlichkeit über Klima- und Küstenrisiken dienen sowie die örtlichen Verwaltungen dabei unterstützen, bestehende Planungskapazitäten zu ermitteln und Prioritäten für zukünftige Anpassungsmaßnahmen zu setzen.

Die Veranstaltung war geprägt von einem intensiven Austausch der Teilnehmer zu den Forschungs -und Planungsansätzen, die im Bundesstaat Maryland und in den Regionen der deutschen Ost- und Nordseeküste verfolgt werden, sowie den Möglichkeiten, diese Ansätze stärker in Entscheidungsprozesse auf der lokalen Ebene einzuspeisen.

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