"Der Sinn des Messens"

Venue
Rostock
Date
Verantwortlicher Ansprechpartner bei RADOST
Rieke Müncheberg

Unter diesem Motto stand der vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (StALU MM) und der Universität Rostock, Fachbereich Küstenwasserbau (URCE), durchgeführte Workshop „Umweltmessungen“ am 12. Oktober 2011 in Rostock. Einleitend stellte Dr. Fröhle (URCE) die Bedeutung von Messungen in der Natur als Grundlage für Planung und Entwurf von Küstenschutzanlagen dar. Schwerpunktmäßig wurde die vor Warnemünde errichtete Messkette zur Gewinnung zusätzlicher Erkenntnisse der Hydrodynamik an sandigen Küsten vorgestellt, deren Errichtung durch das RADOST-Projekt entscheidet unterstützt wurde. Gemessen werden Seegang, Strömung und Wasserstand im Küstenvorfeld bis hin zur Brandungszone. Vergleichbare Messungen wurden in der Ostsee bislang nicht langfristig durchgeführt. Darüber hinaus konnten zwei weitere Messprogramme vorgestellt werden, die ebenfalls am Strand bzw. in der Brandungszone vor Warnemünde durchgeführt werden. Zum Einen wird die Rippelbildung unter oszillierenden Strömungen am Meeresboden untersucht. Hier werden bodennahe Sedimentbewegungen mit einer Unterwasserstereokamera erfasst. Die ermittelten Daten werden unmittelbar mit den Seegangsuntersuchungen der RADOST Messkette in Verbindung gebracht. In einem weiteren Messprogramm werden Grundwassermessungen zur Ermittlung des geothermischen Potenzials im Strandbereich der Ostsee vor Warnemünde durchgeführt. Die Messprogramme profitieren dabei durch die räumliche Nähe der einzelnen Messlokationen und die dadurch gewährleistete Übertragbarkeit der jeweiligen Messgrößen in andere Fragestellungen.
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Im StALU MM trafen sich ganz gezielt Akteure aus Forschung (Universität Rostock, IOW), Wirtschaft (IfAÖ, GICON) und Behörden (WSA, BSH, Marineamt), um über die verschiedenen Messprogramme zu diskutieren sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches mit weiteren Programmen noch stärker anzuregen. So konnten wertvolle Kenntnisse gebündelt und eine Reihe Kooperationsmöglichkeiten identifiziert werden.

Christian Schlamkow (URCE), RADOST-Mitarbeiter im Fokusthema Küstenschutz und vorranging für Modellierungen zuständig, betont „Wir können alles berechnen. Aber erst die Umweltmessungen bilden die Grundlage, diese Berechnungen und Modellergebnisse zu bewerten“. Während Bemessungshochwasserstände aus vorhandenen langjährigen Wasserstandsmessungen abgeleitet werden können, ist die direkte Ableitung des Bemessungsseegangs, aufgrund des zu geringen Datenumfangs, nur eingeschränkt möglich. Daher werden detaillierte Seegangsmessungen an den sandigen Küsten, wie sie seit Juni 2011 an der RADOST Messkette aufgenommen werden, dringend benötigt und stehen für künftige Untersuchungen zur Verfügung.

Das Geoinformationswesen des Marineamtes in Rostock setzt sich u.a. mit den wissenschaftlichen Grundlagen der Ozeanographie (Seegangsvorhersagen, Brandungsvorhersagen und Meeresströmungen) auseinander. Durch die RADOST Messkette ist es möglich, Brandungsmodelle wie z.B. das "Navy Standard Surf Model" für unsere Region zu validieren. Auch für die Validierung der TSX- Satellitendaten sind die Messdaten von großem Wert. Über die wissenschaftlichen Grundlagen hinaus besteht der Nutzen der neuen Messkette auch in der operativen Beratung der Flotte. Mitarbeiter beim Flottenkommando des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr können diese Informationen in ihre tägliche Beratungspraxis einbinden (etwa zur Beurteilung der Umweltsituation beim Ein- und Auslaufen der Marineschiffe). Demnach sind die Daten auch für den Geoinformationsdienst der Bundeswehr von Interesse.

Die marinen Flachwasserbereiche sind unbedingt stärker als Gesamtsystem zu betrachten, betont Hr. Dr. Forster aus dem Bereich Meeresbiologie der Universität Rostock und sieht diese Veranstaltung als einen perfekten Einstieg, um zukunftsweisende Ideen der Zusammenarbeit zu entwickeln.

Aufgrund der guten Resonanz der Akteure bezüglich der Einmaligkeit und Bedeutung der Messkette weist Hans-Joachim Meier, Leiter des StALU MM, auf die Endlichkeit des RADOST Projektes hin und gibt einen Appell, den Fortbestand der Messkette während und auch nach RADOST mit zu unterstützen. Die Nutzung der bestehenden Infrastruktur an Messstandorten war ebenso Thema wie die Notwendigkeit eines aktiveren Datenaustausches. Auch die Vision eines erweiterten Standortes für Umweltmessungen vor Warnemünde ist denkbar (z.B. biologische Begleitforschung).