Kommunen im Klimawandel – Erkenntnisse und empirische Befunde

Venue
Collegium Leoninum, Bonn
Date
Verantwortlicher Ansprechpartner bei RADOST
Grit Martinez

„Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind Spitzenreiter bei der Anpassung an den Klimawandel. Rund 73 Prozent der Gemeinden in Schleswig-Holstein und 67 Prozent der Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern bereiten sich bereits jetzt auf den Klimawandel vor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, bei der 314 Gemeinden deutschlandweit zu ihrem Wissen und ihren Erwartungen in Bezug auf den Klimawandel, der Einschätzung ihrer Verletzlichkeit und ihrem Stand der Anpassung befragt wurden.
Die Studie wurde anlässlich der Auszeichnung der Fördermaßnahme „KLIMZUG – Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“ als „ausgewählter Ort 2012“ der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ am 14. Mai 2012 in Bonn präsentiert.
Bezüglich der Verletzlichkeit hinsichtlich des Klimawandels sehen sich die Befragten der beiden Bundesländer an der Ostseeküste im deutschen Mittelfeld. Insgesamt erwarten die in Deutschland befragten Kommunen vor allem höhere Durchschnittstemperaturen und eine größere Temperaturvariabilität. Anpassungsmaßnahmen nehmen sie vor allem vor, um Lebensqualität zu sichern und um zukünftige Risiken zu vermeiden.
Erfahrungen aus der Klimaanpassung in Kommunen in verschiedenen Pilotregionen Deutschlands diskutierten auch Vertreterinnen und Vertreter der KLIMZUG-Verbünde, die bei der Veranstaltung in Bonn ausgezeichnet wurden. Bei einer von RADOST-Projektleiterin Dr. Grit Martinez moderierten Podiumsdiskussion berichteten sie, dass klassische Aufgaben wie Katastrophenschutz und Küstenschutz zwar wahrgenommen und umgesetzt werden, der wahrnehmbare Druck bzw. die direkte Betroffenheit durch den Klimawandel in den Kommunen bisher aber noch gering sei.
Die Kommunen verlangen nach klaren Handlungsempfehlungen von der Wissenschaft und den höheren politischen Ebenen bezüglich der Notwendigkeit und praktischen Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen. Die Priorisierung beim Einsatz von Finanzmitteln in Kommunen in Haushaltsnotlagen führt jedoch oft zur Vernachlässigung des Themas. Die KLIMZUG-Vertreterinnen und Vertreter plädierten deshalb dafür, Klimaanpassung nicht als neues Politikfeld zu betrachten, sondern in die entsprechenden Handlungsbereiche, wie etwa die Raumplanung, zu integrieren. Sie hoben hervor, dass es zu diesem Zweck wichtig sei, die Pilotprojekte aus den KLIMZUG-Regionen zu verstetigen und auf andere Regionen zu übertragen.
Das Programm der Veranstaltung finden Sie im Anhang.