Workshop: Wie kann nachhaltiger Küstenschutz für die Ostseeküste Schleswig-Holsteins erreicht werden?

Venue
Kiel (Hafenhaus)
Date
Verantwortlicher Ansprechpartner bei RADOST
Sandra Enderwitz

Im Rahmen des Projektes „ZukunftsManagement Strand“ / ZuMStrand initiierte das Klimabündnis Kieler Bucht einen Workshop zum nachhaltigen Küstenschutz für die Ostseeküste Schleswig-Holsteins. Der Workshop fand am 10.05.2011 in Kiel im Rahmen des Projektwettbewerbs „Lust op dat Meer“ statt (gefördert vom Umweltbundesamt und ausgelobt durch das Innenministerium Schleswig-Holsteins). Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung durch das Büro „Raum & Energie“, Projektmanagement der „Lust op dat Meer“ Projekte.
Hintergrund und Veranlassung für die Veranstaltung ist die Herausforderung an den Küstenschutz als Folge des fortschreitenden Klimawandels. In den vergangenen Jahren erleb(t)en die Anrainergemeinden an der Ostseeküste zunehmende Probleme bei der Sicherung ihrer Küstenabschnitte und Strände. Speziell seit dem Winter 2009/2010 (Sturm Daisy) bereiten Schäden an Promenaden und Hafeneinrichtungen, Sandverluste an den Stränden und das wachsende Überflutungsrisiko den Ostsee-Küstengemeinden zunehmende Sorgen. Gleichzeitig wird offenkundig, dass die in Schleswig-Holstein für den Küstenschutz zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel nicht ausreichen (werden), um allerorts die zahlreichen Problemstellen zu beseitigen. Zunehmend sehen sich daher die Gemeinden und Küstenanlieger selbst mit der Verantwortung für den Küstenschutz vor Ort konfrontiert.
Diese Thematik wurde zwischen Vertretern der Küstenschutzverwaltung des Landes, Repräsentanten betroffener Ostsee-Kommunen, Vertretern des Tourismussektors sowie Rechts-Experten und Küstenforschern diskutiert und zwar mit Blick auf folgende Fragen:

  • Ist in Bezug auf den Klimawandel ein grundsätzliches Umdenken im Umgang mit den Küsten erforderlich, und wenn ja in welche Richtung?
  • Können der Küstenschutz auf Kernbereiche konzentriert und andere Bereiche der Natur „zurückgegeben“ werden?
  • Welche rechtlichen Aspekte wären hierbei zu beachten? Bestehen Sicherungs- und Unterhaltungspflichten?
  • Welche Rolle spielen hierbei die Raumordnung, die Fachplanungen sowie die Bauleitplanung der Gemeinden?
  • Welche Form der Unterstützung gibt es für diese neue Form des Küstenschutzes?

Als ein wichtiges Ergebnis der Diskussion kann die Notwendigkeit festgehalten werden, Küstenschutzmaßnahmen, seien es bauliche Eingriffe oder Maßnahmen zur Stranderhaltung, längerfristig und sorgfältiger als bisher zu planen. Generell müssen Eingriffe der natürlichen Küstendynamik Rechnung tragen, d.h. dass etwa ein zurückweichender Küstenabschnitt nur unter großem Aufwand langfristig stabilisiert werden kann. Dies erfordert planerische Vorsorge im Bereich der Flächennutzung und Bauleitplanung vor Ort, also möglichst die Vermeidung neuer Bebauung und Infrastruktur in gefährdeten Uferzonen. Kurzfristig gilt es, für bereits vorhandene ufernahe Gefährdungszonen im Bereich von Siedlungen intelligente Küstenschutzlösungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit zu finden, wie dies in den Gemeinden Timmendorfer Strand und Scharbeutz gelungen ist. Grundsätzlich muss ein größeres Bewusstsein für die Problematik bei den Küstenanrainern erzeugt und deren Eigenverantwortung beim Küstenschutz künftig stärker wahrgenommen werden. Fest steht allerdings auch, dass der wachsende Aufwand für nachhaltigen Küstenschutz auf der lokalen Ebene nicht alleine von den Gemeinden oder Grundstückseigentümern getragen werden kann. Hinsichtlich der finanziellen Belastung für einzelne Maßnahmen und deren langfristige Unterhaltung sehen sich die Gemeinden nicht in der alleinigen Verantwortung, die Zuständigkeiten aus rechtlicher Sicht sind im Detail aber noch nicht geklärt. Es wurde aber deutlich, dass eine stärkere Vernetzung zwischen den beteiligten Ministerien, zuständigen Ämtern, den Tourismusverbänden, kommunalen Akteuren und Anwohnern unerlässlich ist, um sich diesen Herausforderungen zu stellen.
Abschließend wurde angedacht, am Beispiel der Gemeinde Strande ein Planspiel mit Bürgerbeteiligung zur Entwicklung eines tragfähigen Küstenschutzkonzeptes durchzuführen.
Über weitere Entwicklungen informiert das Klimbündnis Kieler Bucht auf seiner Homepage: www.klimabuendnis-kieler-bucht.de