Herausforderungen bei der Anpassung an den Klimawandel: Eine Diskussion mit Anwendern in North Carolina

Venue
Beaufort, North Carolina, USA
Date

Nach einem erfolgreichen Workshop in Maryland, der sich mit der öffentlichen Wahrnehmung des Klimawandels befasste, fand eine ähnliche Veranstaltung am 4. April 2012 in der Meeresforschungsstätte der Duke University in Beaufort, North Carolina statt. Sie war Teil der Austauschaktivitäten des RADOST-Projektes mit den USA, die in Zusammenarbeit mit der Nicholas School of the Environment and Earth Sciences der Duke University durchgeführt werden.
Unter der Leitung von Dr. Mike Orbach von der Nicholas School und RADOST-Projektleiterin Grit Martinez vom Ecologic Institut trafen sich auf dem Workshop Küstenplaner und Entscheidungsträger North Carolinas aus den Landkreisen Carteret Country und New Hanover County, der City of Wilmington und der bundesstaatlichen Division of Coastal Management.
Mit Hilfe eines internetbasierten Direkt-Befragungssystems wurden eine Umfrage unter den Teilnehmenden hinsichtlich lokaler Wahrnehmungen des Klimawandels und Einschätzungen zu den Rollen der lokalen und bundesstaatlichen Verwaltung bei Klimaanpassung und Anpassungsplanung durchgeführt. Im Vordergrund standen dabei das erwartete Ausmaß des Meeresspiegelanstiegs und die Frage, inwieweit zu solchen Themen in den Gemeinden und Landkreisen bereits Planungen existieren oder zumindest schon Diskussionen stattgefunden haben. Es entwickelte sich ein offener Meinungsaustausch zwischen Moderatoren und Teilnehmenden über Themen wie die Aufnahme von Informationen, die Rolle der Wissenschaft, Risikomanagement, die Bedeutung von Orientierungswerten für Planungen sowie allgemeine Einschätzungen der Küstenplaner zu Fragen von Klimawandel und Meeresspiegelanstieg.
Die Präsentationen auf dem Workshop umfassten die folgenden Inhalte:

  • Dr. Grit Martinez sprach über das RADOST-Projekt und beschrieb, wie öffentliche Wahrnehmungen von Klimawandel die Anpassungsbemühungen im Ostseeraum beeinflussen. Sie hob hervor, wie wichtig es sei, Wissen und Lösungsansätze für Maßnahmen zur Anpassung an einen beschleunigten Meeresspiegelanstieg zwischen Regionen mit ähnlichen geographischen und wirtschaftlichen Bedingungen auszutauschen, wie der Nord- und Ostsee auf der einen Seite und der Chesapeake Bay und der Ostküste der Vereinigten Staaten auf der anderen Seite.
  • Dr. Mike Orbach sprach über seine Zusammenarbeit mit Küstengemeinden und Küstenplanern in North Carolina. Dabei ging er auf die in der Region bestehenden Wahrnehmungen von Klimawandel und Meeresspiegelanstieg und deren Einfluss auf die politische Entscheidungsfindung ein.
  • Dr. Jacobus Hofstede vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume nahm an dem Workshop über eine internetbasierte Videoübertragung teil. In seiner Präsentation beschrieb er die Anpassungserfordernisse an der deutschen Nord- und Ostseeküste und erläuterte ausgewählte Maßnahmen, die in unterschiedlichen Küstenbereichen diskutiert und umgesetzt werden.
  • Philip Prete aus der Planungsabteilung der Stadt Wilmington berichtete über die Arbeit der Stadtverwaltung an innovativen Lösungen zur Anpassung an den Meeresspiegelanstieg. Er präsentierte Pilotprojekte einer vorausschauenden Planung für Wilmington und New Bern ebenso wie die unterschiedlichen verwendeten Planungsinstrumente, wie iRisk und die Erstellung von GIS-Karten.
  • Mike Lopazanski von der Division of Coastal Management berichtete über Landnutzungsplanung und die bestehenden Gesetze und Verordnungen, die für die 20 Küstenlandkreise North Carolinas gelten.

Bei der Diskussion auf dem Workshop kamen auch Hindernisse für die Umsetzung regionaler Strategien zur Sprache. Einer der anwesenden Planer beschrieb die Situation gar als „Zermürbungskrieg“, der eher auf Krisenmanagement als auf rechtzeitiges, vorausschauendes Handeln hinausliefe. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass Anpassung sowohl vorausplanend als auch reaktiv durchgeführt werden kann. Unbeantwortet blieb jedoch die Frage, wessen Aufgabe es ist, Anpassungsstrategien und politische Maßnahmen zu entwickeln, die der Entwicklung des Meeresspiegelanstiegs auf angemessene Weise begegnen.
Die Anwesenden zeigten großes Interesse daran, wie Planer in Deutschland mit diesen Fragen umgehen und welche Zeithorizonte bei der Entwicklung von Anpassungsstrategien herangezogen werden. Eine Fortsetzung des Austausches zwischen Gemeinden in North Carolina und der Nord- und Ostseeregion ist geplant.
Zur Veranstaltungswebsite (auf Englisch)
Zeitungsbericht über die Veranstaltung: “Countries share sea level issues”, Carteret County News-Times, 6. April 2012