Workshop: Küstenwandel als soziale, kulturelle und raumplanerische Herausforderung

Venue
Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Hamburg
Date

Auf einem Workshop in Hamburg am 10.1.2012 diskutierten RADOST-Netzwerkpartner und andere Küstenakteure über die sozialen, kulturellen und raumplanerischen Herausforderungen, vor denen Küstenregionen angesichts der Klimaveränderung und weiterer Prozesse des globalen und regionalen Wandels. Im Zentrum der Diskussion stand die Raumplanung und insbesondere die Frage, wie das Instrument des Integrierten Küstenzonenmanagements (IKZM) für die Anpassung an den Klimawandel an der Ostseeküste genutzt werden kann. Die 18 Teilnehmer des Workshops kamen aus unterschiedlichen Bereichen, wie Universitäten, Landesministerien und -ämtern oder der Tourismusbranche.
Dass die Kommunen wichtige Akteure bei der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen sind, ist eine oft getroffene Feststellung, die auch aus den Erfahrungen des RADOST-Projektes bestätigt wird. Eine wichtige Fragestellung des Workshops war daher, wie Kommunen für eine konstruktive Zusammenarbeit in Anpassungsprojekten gewonnen werden können. Wie in der Diskussion geäußert wurde, erleichtert es die Zusammenarbeit wesentlich, wenn die Vorteile für die Kommunen klar herausgestellt werden können. Aus kommunaler Perspektive wurde hervorgehoben, dass Vulnerabilitätsabschätzungen für die regionale und lokale Ebene hilfreich wären. Auch müssen die Forschungsaussagen spezifisch auf die regionalen Gegebenheiten ausgerichtet werden. Als Beispiel wurde angeführt, dass ein in Mecklenburg-Vorpommern erfolgreich durchgeführtes Projekt für einen Bürgermeister einer Küstengemeinde in Schleswig-Holstein nicht unbedingt ein überzeugendes Vorbild darstellt, wenn die Übertragbarkeit nicht offensichtlich gegeben ist. Insgesamt wurde festgestellt, dass fehlendes Geld zwar ein wichtiger ‚limitierender‘ Faktor bei der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen ist, andere Faktoren jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. In bestimmten Bereichen fehle es noch an Bewusstsein für die Thematik der Klimaanpassung, in anderen Bereichen sei zwar das entsprechende Wissen vorhanden, es fehle aber an Erfahrungen, wie dieses Wissen in tatsächliches Handeln umgesetzt werden kann. An dieser Schnittstelle besteht weiterhin ein wichtiger Arbeitsauftrag für das RADOST-Projekt.
Ein wichtiges Thema für die Kommunen an der Küste bildet der Tourismus als wesentlicher Wirtschaftsfaktor. Verlaufen hier Planungen einvernehmlich und diskursiv zwischen Küstenschutz- und Tourismusakteuren, Naturschützern und Anwohnern vor Ort, können positive Ergebnisse erzielt werden, wie in Timmendorfer Strand oder Neustadt / Pelzerhaken.
Im Zuge der Diskussion wurde immer wieder auf den Begriff des Integrierten Küstenzonenmanagements eingegangen. Es wurde festgehalten, dass nach wie vor keine exakte Definition des Begriffes vorliegt. Ebenso ist bei diesem ‚weichen‘ Instrument – anders als in formalisierten Planungsprozessen – unklar, wer für welche Aufgabe zuständig und letzten Endes auch für die Umsetzung verantwortlich ist. Dies erschwert den Umgang mit IKZM vor allem auf der regionalen und kommunalen Ebene, da die festen Zuordnungen fehlen. Es wurde jedoch auch deutlich, dass alternative Planungsverfahren notwendig sind, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu gewinnen, gerade im Bereich von Küstenschutzanlagen. IKZM kann dabei helfen, die Belange der unterschiedlichen Akteure in einem Kompromiss zu integrieren und dabei einen vertrauenswürdigen Umgang mit Unsicherheiten in Bezug auf zukünftige Klimaveränderungen zu etablieren. IKZM, so ein Fazit des Workshops, kann eine Bereicherung für den Kanon der Planungsinstrumente darstellen, wenn bestimmte Anforderungen berücksichtigt werden. Als Ausblick kann festgehalten werden, dass die raumplanerischen Herausforderungen an der Küste unter einem sich ändernden Klima in zukünftigen RADOST-Aktivitäten noch stärkere Beachtung finden sollten.