Workshop "Ökosystem Windpark"

Venue
Rostock/Neu Broderstorf
Date
Verantwortlicher Ansprechpartner bei RADOST
Alexander Weidauer
Teilnehmer
Alexander Weidauer
Grit Martinez
Cindy Dengler
Protokollverantwortlicher
Alexander Weidauer

Welche Auswirkungen hat die intensive Nutzung von Offshore-Windenergieanlagen auf das umliegende Ökosystem und die darin lebenden Pflanzen und Tiere? Und wie verändert sich dieser Einfluss im Kontext globaler und regionaler Anpassungsstrategien an den Klimawandel? Diese Fragen wurden beim Workshop „Ökosystem Windpark“ am 4. November 2010 in Neu Broderstorf von circa 30 Vertretern aus Wissenschaft und Praxis intensiv diskutiert. Organisiert wurde der Workshop durch Dr. Andreas Schmidt und Dr. Tim Coppack vom Institut für Angewandte Ökosystemforschung GmbH (IfAÖ). 
Im Rahmen von FachpräsentationeBild entfernt.n wurden zunächst vorgestellt, wie die Folgen der Nutzung von Offshore-Windenergieanlagen analysiert werden können und welche Ergebnisse bereits vorliegen. In der Diskussion mit den Anwendern vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass dringend weitere Forschung nötig sei, um Entwicklungsprognosen für zukünftige Planungen im Offshore-Bereich -vor allem vor dem Hintergrund des sich wandelnden Klimas- treffen zu können.
Dr. Lars Gutow vom Alfred Wegener Institut (AWI) präsentierte erste Ergebnisse zu Untersuchungen im Umfeld von Windanlagen. Insbesondere in Küstennähe, ließen sich bereits erhebliche Veränderungen vorhersehen. So führt das Einsetzen von Windmühlenfundamenten zu veränderten Strömungsverhältnisse und somit zu einer veränderten Struktur des Meeresbodens. Dadurch ändert sich auch die Zusammensetzung der Lebewesen am Meeresgrund (der sogenannten „benthischen Lebewesen“), die von großer Bedeutung als Nahrung für Fische und andere größere Tiere sind; eine Veränderung ihres Vorkommens wirkt sich somit auf das gesamte Ökosystem aus.
Zum anderen wird der Meeresboden um Windanlagen mit Lebewesen besiedelt, die nicht die Fähigkeit besitzen, ihren Aufenthalt zu ändern (sogenannte sessil lebende Arten, wie Moostierchen oder Flohkrebse). Dies bedeutet einen erheblichen Zuwachs an Biomasse im Ökosystem und eine nachhaltige Veränderung der Nahrungsketten. Hieraus resultierende Effekte in Offshore-Windparks müssen zukünftig noch intensiv erforscht werden. Weitere Vorträge von Dr. Hermann Neumann vom Senckenberg-Institut und von Dr. Timothy Coppack vom IfAÖ betonten, dass der Lebensraum von Pflanzen und Tiere im Meer stetigen Veränderungen ausgesetzt ist. Klimatische Veränderungen verstärken jedoch auch, dass sich der Reproduktionszyklus bestimmter Tiere verschiebt, was wiederum einen Einfluss auf die Nahrungsverfügbarkeit und somit die gesamte Nahrungskette hat.
Dr. Coppack ging weiterhin auf die Änderung des Zugverhaltens von Vögeln und in diesem Zusammenhang auf mögliche Einflüsse von Windenergieanlagen ein. Unmittelbare Auswirkungen sind hier insbesondere durch Kollision der hauptsächlich nachts ziehenden Vögel zu erwarten. Um jedoch den Einfluss von Offshore-Windparks auf rastende Wasservögel einschätzen zu können, sind detaillierte Untersuchungen zum Raum-Zeit-Verhalten von Individuen erforderlich.
Wie das Vorkommen von Rastvögeln auf See fotografisch erfasst werden kann, wurde von Dr. Axel Schulz (IfAÖ) präsentiert. Inwieweit Windparks als ökologische Fallen wirken oder Refugien für bestimmte Artengemeinschaften darstellen kann jedoch nur auf der Basis detaillierter, ökosystemischer Analysen eingeschätzt werden.
Bild entfernt.Die abschließenden Vorträge von Dipl.-Biol. Thoralf Hoth (IfAÖ) beleuchteten sowohl positive als auch negative Auswirkungen von Windparks auf Fischgemeinschaften und Fischerei. Während Windparks als zeitweilige Ruhezonen für bestimmte Fischarten dienen könnten, sind schädliche Auswirkungen von baubedingtem Lärm (z.B. Schädigung von Hörorganen) nicht auszuschließen.
Eine Erweiterung der derzeitigen Forschungsansätze ist jedoch dringend notwendig, um künftig sachlich entscheiden zu können, ob durch menschliche Nutzung bewirkte biotische Reaktionen positive oder negative ökologische Konsequenzen mit sich bringen. „Ökosystem Windpark“ fand im Rahmen von KLIMZUG und RADOST statt.